Geschehnisse im Jahr 1970
Willy in Erfurt
“Willy, Willy”, rufen tausende Menschen vor dem Hotel Erfurter Hof und meinen damit offensichtlich nicht den DDR-Ministerpräsidenten Willi Stoph, sondern Bundeskanzler Willy Brandt, der mit Stoph in dem Hotel tagt. Warum sonst hätten sie außerdem “Willy Brandt ans Fenster” gerufen? Es ist der erste Besuch eines Bundeskanzlers in der DDR. Brandt zeigt sich schließlich der Menge, zieht sich aber aus Sorge um die Lage auf dem Platz gleich wieder zurück. Auch Slogans wie “Forderung an Willy Brandt: DDR wird anerkannt” erschallen an diesem Tag.
Brandt unterschreibt den Moskauer Vertrag
“Mit diesem Vertrag geht nichts verloren, was nicht längst verspielt worden war.” Durch diesen Satz verdeutlicht Bundeskanzler Willy Brandt in Moskau die Motivation der “Neuen Ostpolitik” seiner
Regierung: Die Gegebenheiten sollen anerkannt und die Bedingungen für die Menschen in Ost und West verbessert und der Frieden gesichert werden.
Längerfristig will die Bundesregierung durch eine gesamteuropäische Friedensordnung eine Annäherung oder gar eine Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten erreichen.
Dass die Bundesrepublik durch die Ostverträge keineswegs auf die Wiedervereinigung verzichten will, bringt auch der an die Sowjetregierung gerichtete “Brief zur deutschen Einheit” zum Ausdruck,
der bei der Vertragsunterzeichnung übergeben wird.
Warschauer Vertrag
Anlässlich der Unterzeichnung des Warschauer Vertrages reist Bundeskanzler Willy Brandt in die polnische Hauptstadt. Der Vertrag legt fest, dass die westliche Staatsgrenze der Volksrepublik Polen
bildet. Beide Seiten verzichten auf Gebietsansprüche und Gewaltanwendung, die Normalisierung der Beziehungen wird vereinbart. Weniger der Vertrag macht den Besuch zu einem historischen Ereignis
als der “Kniefall von Warschau”. Vor dem Denkmal für die Toten des Warschauer Ghettos verharrt Brandt nach der Kranzniederlegung für einige Sekunden auf den Knien.