Geschehnisse im Jahr 1969
Hallstein-Doktrin
Als die DDR vom Königreich Kambodscha als Staat anerkannt wird, muss die Bundesrepublik reagieren. Gemäß der Hallstein-Doktrin ist sie verpflichtet, den diplomatischen Kontakt zu dem südostasiatischen Land abzubrechen. Kambodscha ist das erste nicht kommunistische Land, das die DDR anerkennt. Nach heftigem Streit einigt sich die Große Koalition auf den Kompromiss, die Beziehungen bloß “einzufrieren”.
Willy Brandt und die SPD/FDP-Koalition
Nach den Bundestagswahlen am 28. September wähnt sich Kanzler Kiesinger als Sieger – immerhin ist die CDU stärkste Kraft geworden. Doch der SPD-Vorsitzende Willy Brandt nimmt demonstrativ
Verhandlungen mit der FDP auf und überrascht damit sogar seine eigene Partei. Mit dem Vorsitzenden der Liberalen, Walter Scheel, weiß er sich über gemeinsame Vorstellungen einer neuen
Deutschland- und Ostpolitik einig. Nach nur einer Woche wird die Bildung einer gemeinsamen Koalition bekanntgegeben.
Das gewagte Experiment besteht seine erste Bewährungsprobe ganz knapp bei der Kanzlerwahl am 21. Oktober. Brandt wird mit zwei Stimmen Mehrheit gewählt. Der Regierungswechsel ist ein Gütezeichen
der jungen Demokratie in der Bundesrepublik und leitet eine neue Ära des Aufbruchs und der gesellschaftlichen und politischen Erneuerung ein. Brandt bringt sie in seiner Regierungserklärung mit
der Formel “Mehr Demokratie wagen” auf den Punkt.